Wie erkläre ich Kindern den Tod?

Kinder beschäftigen sich mit den Themen Tod und Sterben auf ihre eigene Art und Weise – und das weitaus tiefgründiger, als es die meisten Erwachsenen für möglich erachten. Deswegen ist es unbedingt notwendig, auf ihre Fragen und Bedürfnisse einzugehen und mit ihnen altersgemäß, aber keinesfalls weniger ehrlich über ihre Anliegen zu sprechen.

Der Versuch vieler Eltern, ihre Kinder zu schützen, indem sie ihre Probleme und natürliche Neugierde ignorieren und darauf hoffen, dass das unangenehme Thema mit der Zeit in Vergessenheit gerät und sich von selbst erledigt, ist in der Regel kontraproduktiv. So führt die Anstrengung, Kinder vor der dunklen Seite des Lebens durch das Verschweigen eben dieser zu schützen, praktisch nie zum gewünschten Resultat. Weitaus öfter ist ein genau entgegengesetzter Effekt zu beobachten.

Beharrliches Schweigen setzt der auf sich selbst gestellten, kindlichen Fantasie keinerlei Grenzen. Stattdessen bietet diese dem Kind unerklärliche Stille, Raum und womöglich Nährboden für die verrücktesten Ideen und wild wuchernde Ängste. Im schlechtesten Fall kann diese frühe Erfahrung sogar den späteren Umgang mit Tod und Trauer dauerhaft problematisch gestalten.

Um Ihrem Kind Ihre eigene Position glaubhaft vermitteln zu können, ist es natürlich notwendig, dass auch Sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben und sich über Ihre eigene Haltung im Klaren sind. Offensichtlich ist dies oft leichter gesagt als getan. Vollkommen unabhängig von Ihrer eigenen Einstellung zu Fragen wie Tod, Religion und ewigem Leben ist es jedoch wichtig, dass Sie die Fragen Ihres Kindes ernst nehmen und mit möglichst klaren Worten beantworten.

Unter allen Umständen sollten Sie vermeiden, sich in Umschreibungen oder eine bildhafte Sprache zu flüchten. Da Kinder nicht über das notwendige Abstraktionsvermögen verfügen, können Aussagen wie „Oma ist jetzt im Himmel“ oder „Opa ist auf einer langen Reise“ wörtlich genommen werden und zu großer Verwirrung führen. Auch Umschreibungen wie „Die Tante schläft jetzt“ können unbeabsichtigte Nachwirkungen zur Folge haben. Wie soll Ihr Kind nach einer solchen Aussage jemals wieder sicher sein, nicht auch vielleicht eines Abends einzuschlafen und nie wieder aufzuwachen?

Wie eingangs bereits erwähnt, haben Kinder ihre eigene Annäherungsweise an das Themengebiet „Tod“, das uns selbst im Erwachsenenleben und hohen Alter niemals vollkommen zugänglich ist. Dieses Unwissen und sogar eine gewisse Unsicherheit können Kindern gegenüber problemlos eingestanden und offen kommuniziert werden. Besser, als Ihrem Kind erfundene Geschichten zu erzählen, an die Sie selbst nicht glauben, ist es allemal. Unabdingbar für die gesunde psychische Entwicklung Ihres Kindes ist hingegen, dass Sie seinen Wissensdurst in Bezug auf den Tod niemals einschränken. Vielmehr sollten Sie versuchen, Ihrem Kind auf seiner Entdeckungsreise ein treuer Begleiter zu sein und ihm durch Ihre Zuneigung und Aufmerksamkeit ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Allein durch Ihre Anwesenheit, sozusagen als sicherer Hafen oder auch Leuchtturm im Dunkeln, kann die Entwicklung irrationaler Ängste so bereits im Keim erstickt werden.

Beim Todesfall einer besonders nahestehenden Person können zudem feste Rituale wie beispielsweise der gemeinsame Besuch des Grabes, das Anzünden von Kerzen oder auch das Tun von etwas, das der Verstorbene selbst gerne gemacht hat, dabei helfen, den Verlust des geliebten Menschen in den Alltag zu integrieren und dem Schmerz durch die bewusste Kultivierung dieser speziellen Momente mit der Zeit seinen Stachel zu nehmen. Nicht durch seine Verdrängung, sondern einzig durch eine aktive Auseinandersetzung mit ihm kann der Kummer so auf lange Sicht überwunden werden.

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